Industrie 4.0 – Wunsch und Realität.

24. Automation Valley Kooperationsforum bei der E-T-A GmbH in Altdorf bei Nürnberg

Industrie 4.0 – Wunsch und Realität, unter diesem Thema trafen sich bei der E-T-A GmbH in Altdorf rund 70 Personen aus dem Automation Valley Nordbayern und der Metropolregion Nürnberg, um im Dialog zwischen Firmen und Forschungseinrichtungen über die konkreten Hürden bei der Umsetzung von Industrie 4.0 zu sprechen.  Seinen Dank richtete Herr Dr. Ronald Künneth (IHK Nürnberg für Mittelfranken) besonders an das gastgebende Unternehmen E-T-A GmbH: „Wir freuen uns riesig, dass die E-T-A GmbH sich bereit erklärt hat, das vor wenigen Jahren gestartete Industrie 4.0 Projekt offen zu präsentieren und mit den Teilnehmern zu diskutieren“.

 

Bildquelle IHK Nürnberg für Mittelfranken: Eröffnung des 24. Automation Valley Kooperationsforum bei der E-T-A GmbH in Altdorf bei Nürnberg

„Wir stehen noch immer am Anfang, weil Industrie 4.0 für jede Firma individuell ausfallen muss“, so  Dr. Ulrich Löwen (Senior Principal Engineer der Siemens AG). Die Firmengröße, Branche und das alter des Maschinenpark sind hier nur einige der entscheidenden Parameter, die berücksichtigt werden müssen. Konkret standen im Mittelpunkt der Veranstaltung vier Vorträge zu den größten Hürden bei der Umsetzung von Industrie 4.0 in Deutschland.

Die „Digitalkompetenz der Mitarbeiter“ Susanne Wolf (Leiterin Arbeit 4.0, Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Augsburg und TUM) stellt eine der größten Hürden beim Einsatz neuer Technologien in den Unternehmen dar. Dies wurde auch bei der interaktiven TED-Befragung im Publikum mit deutlichem Abstand bestätigt. Der der Dialog mit den Mitarbeiter vor der Einführung von neuen Technologien kommt hier eine Schlüsselrolle zu teil, da sonst z.B. Software von den Mitarbeitern nicht genutzt oder angenommen wird.  Gründe hierfür können u.a. Angst vor Arbeitsplatzverlust oder fehlende Nutzerfreundlichkeit sein.

Die „Darstellung des wirtschaftlichen Nutzens“ übernahm Herr Dr. Ulrich Löwen ( Senior Principal Engineer, Siemens AG), indem er anhand von Praxisbeispielen den Wandel in den Geschäftsmodellen vorstellte und auf die neuen Akteure wie Plattformbetreiber und Softwarefirmen einging, die datengetriebene Geschäftsmodelle für viele Firmen erst möglich machen. Hier sah das Publikum noch besonderen Handlungsbedarf, da gerade für Firmen im B2B Bereich bzw. Zulieferer noch konkrete Konzepte für Geschäftsmodelle fehlen. Die Konzepte für Geschäftmodelle müssen zudem scharf von den Details ihrer technischen Umsetzung getrennt werden.

Den Aspekt der „rechtlichen Herausforderungen bei datengetriebenen Geschäftsmodellen“ deckte Herr Dr. Alexander Theusner ( IT- und Datenschutzrecht,  Rödl & Partner) ab.  Besonderers Augenmerk sollten die Firmen darauf legen Daten die sie weiterverarbeiten möchten möglichst ohne einen Bezug zu Personen zu erheben, da hier besondere Schutzregelungen existieren.  Aktuell besteht hinsichtlich dem Schutz von Maschinendaten kein gesetztlicher Rahmen. Firmen die mit diesen Daten arbeiten wollen sollten deshalb individuelle Verträge mit Ihren Partner abschließen, um diese bestehende Lücke für Ihre Geschäftsmodellideen nutzen zu können.

Die Hürde „IT-Sicherheit in produzierenden Unternehmen“ stellte Gerd Schmidt ( Senior Datenschutz-Experte,  Datenschutz Schmidt GmbH & Co. KG)  und Herr Claudiu Bugariu ( Projektleiter „Digitaler Wirtschaftsschutz“, IHK Nürnberg für Mittelfranken) vor. In diesem Themenfeld sehen die Teilnehmer einer der ganz großen Hürden, da mit der Komplexität der Systeme und Anlagen auch die Angriffsfläche für Cyberangriffe.

Herr Ralf Dietrich (Mitglied der Geschäftsleitung,  E-T-A Elektrotechnische Apparate GmbH) stellte  die Erfahrungen der E-T-A  als KMU bei der Erarbeitung eigener  „ Datengetriebener Geschäftsmodelle“ vor. Der Betrag der E-T-A war für das Publikum besonders wertvoll, da die E-T-A bereits im Jahr 2016 Gastgeber eines  Automation Valley Forums zu Industrie 4.0 war und die Zeit genutzt hatte, um selbst neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln und zu testen.

Im Rahmen des  Kooperationsforums wurde auch das Projekt  „Data Driven Factory“ in der Metropolregion Nürnberg / Nordbayern – Chancen der Region im Bereich Data Analytics / Maschinelles Lernen“ von Dr. Ronald Künneth (IHK Nürnberg für Mittelfranken) und Dr. Robert Couronne (Geschäftsführer NIK e.V.) vorstellt, um Firmen mit Interesse an einer Kooperation in diesem Themenfeld eine Plattform zu bieten. Als erste besonders relevant für die Umsetzung von Industrie 4.0 sahen die Teilnehmer Aktivitäten in den Aktivitäten in den Bereichen Datenanalyse, predictive Maintenance, Erweiterung bestehender Geschäftsmodelle, Optimierung bestehender Datensammlung und den Einsatz von Aktoren und Sensoren zur Datensammlung.

 

Bildquelle IHK Nürnberg für Mittelfranken: Interaktive Befragung der Teilnehmer

Spannend war auch  der interaktive Nachmittagsteil, da Experten aus allen relevanten Bereichen wie der Datengewinnung und –vorverarbeitung, Datenübertragung und – speicherung,  Datenanalyse und Machine Learning sowie datenbasierte Geschäftsmodellentwicklung anwesend waren.

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch eine E-T-A-Betriebsführung bei der auch die neuen Industrie 4.0 Lösungen in der eigenen Produktion vorgestellt wurde sowie die Möglichkeit das Mittelstand 4.0-Mobil  mit dem Themenfokus virtuelle Relalität besuchen zu können.

© Fraunhofer IIS/Paul Pulkert

Die Veranstaltung wurde von der IHK Nürnberg für Mittelfranken veranstaltet und durch die Partner Automation Valley Nordbayern, Cluster Automation & Mechatronik sowie die E-T-A GmbH unterstützt.